Photo © Jacqueline Perregaux 2023
Barbara Minder
Manche Menschen lassen sich nicht so einfach beschreiben. Als klassisch ausgebildete Flötistin teilt Barbara Minder ihr musikalisches Leben zwischen Konzerttätigkeit, Unterricht und Grundlagenforschung auf. Doch diese wenigen Fakten kratzen kaum an der Oberfläche dessen, wer sie eigentlich ist; man muss schon etwas tiefer blicken.
Was das Musizieren betrifft, so spielt sie eine enorme Bandbreite an Flöten – von der Kontrabassquerflöte bis zur barocken Traversflöte, einschließlich der Viertelton-Kingma-Flöte und der Schwegel. Ihr Repertoire reicht von Telemann bis hin zu eigenen Kompositionen – mal rein akustisch, mal umgeben von eigenwilligen Apparaturen, die ihre Instrumente in tausend unerwartete Klangfarben hüllen.
Im Unterricht leitet sie beispielsweise Workshops zur freien Improvisation für Menschen mit Aphasie, arbeitet mit Politikern an Atemtechniken oder bereitet Studierende am Konservatorium auf ihr Master-Abschlusskonzert vor. Dabei geht es ihr nie bloß um die Korrektur eines unsauberen Tons; vielmehr widmet sie sich den „dunklen Ecken“ – jenen kleinen Unzulänglichkeiten, die man gern unter den Teppich kehrt und die sich zu Gewohnheiten verfestigt haben, die man am liebsten vergessen würde. Dank ihrer fundierten Kenntnisse der menschlichen Anatomie und ihrer scharfen Beobachtungsgabe besitzt sie die besondere Fähigkeit, Körpersprache zu entschlüsseln und für Musiker verständlich zu machen. So schafft sie ein Bewusstsein, das befreit und neue Wege eröffnet.
Im Bereich der Forschung spielt sie eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung „augmentierter“ Instrumente im Kollektiv *Les Chemins de Traverse*. Ebenso leidenschaftlich widmet sie sich jedoch der Dynamik musikalischer Interaktion – sei es zwischen Musikern, im Austausch mit dem Publikum oder darüber hinaus. Durch die Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern, Tänzern, Schriftstellern und Architekten erweitert sie stetig ihren künstlerischen Horizont – ganz zu schweigen von ihrer Auseinandersetzung mit der Rolle der Musik im Kontext von Spiritualität.
Ist damit alles gesagt? Nicht ganz. Sie ist zudem Autorin des Buches *Lettres intimes* (erschienen 2026 bei Éditions du Griffon), verfügt über eine Qualifikation im Kulturmanagement, ist seit 2014 als redaktionelle Koordinatorin für die Zeitschrift *Le Rapport des Chemins de Traverse* tätig und gehörte von 2013 bis 2024 der Kulturbeiratskommission der Stadt Neuenburg an. Und wenn man ihr auf einem Empfang begegnet, bei dem sich das „Who’s who“ der französisch-schweizerischen Immobilienbranche versammelt hat, wird einem klar, dass es Menschen gibt, die sich einfach nicht in wenigen Worten zusammenfassen lassen.